Quelle: Wikipedia Iraklio (griechisch Ηράκλειο (n. sg.), veraltet auch Iraklion oder Heraklion, im Mittelalter Candia, Chandakas, später Megalokastro) ist die größte Stadt der südgriechischen Insel Kreta und der Sitz der Verwaltungsregion Kreta.
Bedeutung
Iraklio ist mit offiziell 137.711 Einwohnern die fünftgrößte Stadt Griechenlands und die größte nicht auf dem Festland gelegene Stadt des Landes. Die wirkliche Einwohneranzahl beläuft sich 2006 wahrscheinlich auf weit über 200.000. Iraklio ist Hauptstadt der Verwaltungsregion („Periferia“) Kreta und der Präfektur Iraklio sowie neben Rethymno einer der beiden Standorte der Universität Kretas.
Geografie
Geografische Lage
Iraklio liegt etwa in der Mitte der Nordküste der insgesamt 250 km langen und bis zu 70 km breiten Insel Kreta. Sie ist in einer Küstenebene vor einem fruchtbaren Hügelland direkt an einer Bucht der Ägäis gelegen, etwa vier Kilometer nördlich der Ruinen der minoischen Palastanlage von Knossos.
Die Lage im Süden Griechenlands macht Kreta und damit auch Iraklio zu einem hochfrequentierten Touristenziel durchgehend von April bis Oktober. Die Entfernung zu den anderen Städten Kretas beträgt nach Chania 130 km, nach Rethymno 75 km, nach Agios Nikolaos 60 km, nach Ierapetra 90 km und nach Sitia 120 km.
Klima
Klimadiagramm von Iraklio[2]Das Klima Kretas ist mediterran geprägt. In der Zeit von Januar bis März ist das Wetter meist unbeständig. Oft fällt in den Bergen Schnee. Ein schneller Temperaturanstieg ist für die Monate April und Mai typisch, die meisten Pflanzen haben während dieser Zeit ihre Hauptblüteperiode. Sehr heiß und überwiegend trocken sind die Monate Juni bis August. Ab September setzt eine langsame Abkühlung ein, die bis in den Oktober andauert. Durch die hohen Berge Kretas wechseln Wetterlagen häufig schnell und Winde kommen auf, die sich auch zu orkanartigem Sturm verstärken.
Iraklio liegt an der Nordküste der Insel Kreta. Das Klima gilt hier als gemäßigt und trockenwarm. Von Mai bis September gibt es kaum Regenfälle, insgesamt scheint an 70 Prozent der Tage eines Jahres die Sonne.
Geschichte
Altertum
Bereits in minoischer Zeit lag in der Nähe der heutigen Stadt einer der vier Hafenplätze von Knossos. Die Dorer (Ansiedlung auf Kreta seit 1100 v. Chr.) nannten den Ort Ἡρακλεία (Hērakleia)[5], was „Heraklesstadt“ bedeutet. Nach dem Mythos ging Herakles hier an Land, um den kretischen Stier zu fangen.
Mittelalter
Bis zur arabischen Eroberung Kretas 824 teilte der Ort die Geschicke der übrigen Insel. Die Araber befestigten den Ort, den sie arabisch خندق (Ḫandaq, „Graben“) nannten, woraus griechisch Χάνδαξ (Chándax) bzw. Χάνδακας (Chándakas) wurde. Im Jahr 960 eroberte Nikephoros Phokas Chándax für das Byzantinische Reich und vertrieb die Araber aus Kreta. Der Bischofssitz Kretas wurde von Gortys nach Candia verlegt. Bis ins 11. Jahrhundert zogen viele Griechen vom Festland und aus Kleinasien in die aufstrebende Stadt.
Ansicht von Candia 1595
Die Belagerung von Candia, Stich von Visher, 1680Bei der Zerschlagung des Byzantinischen Reiches durch den 4. Kreuzzug sollte Kreta zunächst an den lombardischen Markgrafen Bonifatius I. von Montferrat fallen. Der war jedoch an Saloniki mehr interessiert und tauschte es mit der Republik Venedig. Die unter den Venezianern italianisierte Version des Namens der Stadt, Candia, übertrug sich auch auf die ganze Insel Kreta. Candia wurde Residenz des von der Republik Venedig eingesetzten Duca, des „Herzogs von Kreta“. Erster Herzog war Jacopo Tiepolo. Die Stadt wurde Sitz eines römisch-katholischen Erzbischofs. Die von der Markusrepublik neu zusammengesetzte grundbesitzende Aristokratie der Insel musste in der Stadt Candia präsent sein und standesgemäße Wohnsitze unterhalten. Durch drastische Steuererhöhungen provozierten sie Aufstände. Nach dem Fall von Konstantinopel 1453 wurde Candia ein geistig-kulturelles Zentrum im östlichen Mittelmeer. Die kretische Malerschule mit ihren bedeutendsten Vertretern Michael Damaskenos und Domenikos Theotokopoulos (El Greco) entstand.
Ab 1462 wurden die Befestigungen der Stadt wegen der wachsenden türkischen Bedrohung ständig erweitert.
Ab 1648 belagerten die Osmanen die Stadt. Die 21 Jahre währende Belagerung von Candia ging als längste Belagerung in die Geschichte der Menschheit ein. Nach blutigen Kämpfen, bei denen die Venezianer 30.000 und die Osmanen 120.000 Mann verloren haben sollen, konnten die Türken die Stadt und damit ganz Kreta erobern. Unter der türkischen Herrschaft verlor die nun Kandiye genannte Stadt viel von ihrer vormaligen Bedeutung an Canea, das heutige Chania. Nach der Eroberung durch die Türken taucht neben der türkischen Form Kania der neugriechische Name Μεγάλο Κάστρο auf (Megálo Kástro, „große Burg“, vom lateinischen castrum entlehnt).
Neuzeit
Den Namen Megalokastro führte die Stadt auch noch, nachdem Kreta 1898 autonom wurde. Mit der Autonomie Kretas begann der Wiederaufstieg von Iraklio. Nach dem Anschluss Kretas an Griechenland 1913 wurde in Anlehnung an den antiken Namen die hochsprachliche Form Ἡράκλειον (Iráklion) als neuer Name angenommen.
Die kleinasiatische Katastrophe spülte im Jahr 1923 eine Flüchtlingswelle in den Hafen Iraklios. Innerhalb weniger Tage landeten 20.000 Griechen aus der Gegend um Smyrna in Iraklio und drängten sich in den Straßen der Stadt.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Iraklio am 14. Mai 1941 von der deutschen Wehrmacht zur Vorbereitung des Überfalls auf Kreta bombardiert und erlitt schwere Zerstörungen. Der Wiederaufbau der inzwischen ins Umland wuchernden Stadt verlief weitgehend planlos und wurde durch eine enorme Zunahme der Einwohnerschaft, wilde Bautätigkeit und Bodenspekulation gekennzeichnet.